Preisträger 1993

Václav Havel

Der THEODOR-HEUSS-PREIS 1993 wurde verliehen dem Schriftsteller, Staatsmann und Bürgerrechtler VACLAV HAVEL
Mit seinem lebenslangen, mutigen und konsequenten Engagement für Freiheit, Wahrhaftigkeit und Menschenwürde einzutreten – in Wort und Tat, im Reden und Handeln sowohl in Zeiten schwerster Unterdrückung und Verfolgung, als auch als erster Präsident der, sich in einer friedlichen Revolution vom Kommunismus befreiten Tschechoslowakei, – erfüllt Vaclav Havel, in beispielhafter Weise, Buchstaben und Geist der Satzung der THEODOR-HEUSS-STIFTUNG. In seiner Persönlichkeit und durch seine aufrechte Haltung stellt er immer von neue m unter Beweis, daß Politik und Moral keine unvereinbaren Gegensätze sein müssen.

Damit wird Vaclav Havel zu einem Symbol der Hoffnung für einen neuen Anfang im freiheitlichen Zusammenleben innerhalb und zwischen den Völkern und Staaten Europas und für die Erneuerung einer verantwortungsbewußten und glaubwürdigen politischen Kultur.

Der EUROPÄISCHEN STIFTUNG KREISAU/KRZYZOWA

Der EUROPÄISCHEN STIFTUNG KREISAU/KRZYZOWA für ihr beispielgebendes Engagement, am früheren Familienwohnsitz des Widerstandskämpfers und Begründers des KREISAUER KREISES, Helmuth James Graf Moltke, eine europäische Begegnungsstätte zu errichten.
Die Idee hierfür entstand erstmals 1989 bei Mitgliedern des Wroclaw IBreslauer »Clubs katholischer Intelligenz« und wurde seither mit Hilfe einer fruchtbaren deutsch-polnischen Zusammenarbeit, durch die Gründung von Förderkreisen und wachsender internationaler Beteiligung zu einer europäischen Stiftung mit zahlreichen Aktivitäten weiterentwickelt. In zahlreichen »Workcamps«, an denen sich Freiwillige aus acht europäischen Ländern am Aufbau der Infrastruktur für die geplante Begegnungsstätte beteiligen, in Tagungen, Veranstaltungen und zahlreichen Aktionen zur Finanzierung der Vorhaben, hat die Stiftung mit dem Sitz in Breslau/Wroclaw ihre ersten Bewährungsproben bestanden.
Dieses Projekt, das im Geiste eines aufeinanderzuwachsenden Europas an einer empfindlichen Nahtstelle deutschpolnischer Beziehungen und des vormals in Blöcke geteilten Europas verwirklicht wird, soll mit der Zuerkennung einer THEODOR-HEUSS-MEDAILLE an alle, die sich daran beteiligen, ermutigt, gefördert und zum Mitmachen empfohlen werden.

Dem Initiator des ersten EUROPÄISCHEN GESCHICHTSBUCHES FÜR SCHULEN FREDERIC DELOUCHE und den zwölf Historikern aus zwölf Ländern, die es erarbeitet haben

Dem Initiator des ersten EUROPÄISCHEN GESCHICHTSBUCHES FÜR SCHULEN FREDERIC DELOUCHE und den zwölf Historikern aus zwölf Ländern, die es erarbeitet haben.
In über achtjähriger Zusammenarbeit und in oft mühsamen Verständigungsprozessen ist es ihnen gelungen, ein Geschichtsbuch für Schulen in Europa zu erarbeiten, in dem versucht wird, gemeinsame Entwicklungen herauszuarbeiten und traditionell unterschiedliche Interpretationen von geschichtlichen Ereignissen, die geeignet sind, nationale Vorurteile zu tradieren oder nationale Leistungen überzubewerten, so darzustellen, daß daraus – bei sachkundiger Nutzbarmachung im Unterricht -ein europäisches Geschichtsverhältnis erwachsen kann.
Mit diesen Bemühungen wird ein erster avantgardistischer Beitrag geleistet, jungen Menschen die europäischen Dimensionen nationaler Geschichte und die Bedeutung der Überwindung von Einseitigkeiten, Vorurteilen und Feindseligkeiten bewußt zu machen. Weil Kenntnis und Verständnis europäischer Geschichte, die nicht vereinheitlicht, wohl aber in friedensfähiger Vielfalt interpretiert, eine Voraussetzung für einen dauerhaften und schließlich erfolgreichen europäischen Einigungsprozeß ist, soll diese bahnbrechende Leistung im Sinne der Satzung der THEODOR-HEUSS-STIFTUNG durch die Zuerkennung einer THEODOR-HEUSS-MEDAILLE ermutigt, gefördert und zur Weiterverbreitung empfohlen werden.

DER KLASSE 12B DER FREIEN WALDORFSCHULE IN MANNHEIM UND IHREM LEHRER ANTON WINTER

DER KLASSE 12B DER FREIEN WALDORFSCHULE IN MANNHEIM UND IHREM LEHRER ANTON WINTER für ihr bereits seit über zwei Jahre laufendes »RUMÄNIEN PROJEKT«, das mit seinen vielfältigen humanitären Initiativen und dem persönlichen Einsatz der Schülerinnen und Schüler zu lebendigen und vertieften Begegnungen zwischen deutschen und rumänischen Jugendlichen, aber auch mit Vertretern der ungarischen Minderheit geführt hat.
Darin liegt das Besondere und Beispielhafte am Waldorfschulprojekt: Daß von den Schülerinnen und Schülern nicht nur Transporte mit Kleidern, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern vor allem nach Siebenbürgen organisiert und durchgeführt wurden, sondern daß sie vielmehr während der Ferien auch tatkräftig beim Bau eines rumänisch-deutsch-ungarischen Kindergartens mitgearbeitet und zu guter Letzt – zum besseren Kennenlernen -eine gemeinsame »Kleine Sommeruniversität« und Besuchsreisen mitgestaltet und durchgeführt haben. Mit diesem Engagement, das weitergeführt werden soll, leisten alle daran Beteiligten einen freiwilligen und verantwortungsvollen Beitrag zur Überwindung von Gleichgültigkeit, Vorurteilen und Ignoranz zwischen Menschen, Völkern und Kulturen in West-und Osteuropa, das mit der Auszeichnung durch eine THEODOR-HEUSS-MEDAILLE ermutigt, gefördert und zum Weiter-und Mitmachen empfohlen werden soll.

Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause

1993