Theodor Heuss Stiftung

Der mündige Bürger

Der Theodor-Heuss-Preis wurde zuerkannt: dem »mündigen Bürger« (Begründung siehe Ansprache des Bundespräsidenten Heinemann)

Christian Wallenreiter (für publizistische Verdienste)

Herrn Christian Wallenreiter, geb. 1900, Rundfunkintendant a. D., »für sein jahrzehntelanges beispielhaftes demokratisches Engagement und für seine kulturpolitisch bedeutsamen Initiativen als Intendant des Bayerischen Rundfunks. Herr Christian Wallenreiter hat während seiner Amtszeit stets drei Prinzipien überzeugt und überzeugend vertreten: - das Recht auf Meinungsfreiheit, - die Pflicht zur Objektivität - und das Gebot der Fairneß. Um dieser Prinzipien willen hat er auch offene Konflikte mit Mächtigen und Regierenden nicht gescheut und durchgestanden. Darüber hinaus hat er Funk und Fernsehen neue Ziele gesteckt: in der Kultur- und Kunstpflege, in der intensiven Förderung von Kinder- und Jugendprogrammen und in der Initiierung neuer Bildungs- und Studienprogramme, die als wirkungsvoller Beitrag zur Verbesserung von Bildungschancen weit über Bayern hinaus Anerkennung und Nachahmung fanden. Für diese Leistungen gebührt Herrn Christian Wallenreiter öffentlicher Dank und Anerkennung. Durch sein beispielhaftes Engagement hat er einen bleibenden Beitrag zur Festigung der Freiheit und Verantwortung von Funk und Fernsehen geleistet.«

Professor Theodor Hellbrügge (Behinderte Kinder)

Herrn Professor Dr. Theodor Hellbrügge (München), geb. 1919, Kinderarzt, Gründer und Leiter der »Aktion Sonnenschein« »für seine beispielhafte und aufopfernde Tätigkeit als Initiator und Leiter der »Aktion Sonnenschein-Hilfe für das mehrfach behinderte Kind«. Die mannigfachen Initiativen, die Professor Hellbrügge seit vielen Jahren ergriffen und mit Mut und Zähigkeit erfolgreich vorangetrieben hat, stehen im Zeichen der Hilfe und Förderung für behinderte, vor allem mehrfach behinderte Kinder, der Beratung und Ermutigung ihrer oft verzweifelten und erschöpften Eltern - und eines gesellschaftspolitischen Engagements, das vor allem auf den Abbau von Vorurteilen und die frühe soziale Integration behinderter und gesunder Kinder abzielt.
Professor Hellbrügge ist es aller finanziellen und personellen Schwierigkeiten, amtlicher und bürokratischer Behinderungen und gesellschaftlicher Vorurteile zum Trotz gelungen, ein Kinderzentrum zu schaffen, das, abgesehen von seinem segensreichen medizinischen und wissenschaftlichen Wirken, in seiner Organisation und Arbeitsweise ein lebendiges Beispiel angewandter Zivilcourage, gesellschaftlicher Verantwortung und Mitmenschlichkeit ist. Neben dem unermüdlichen Wirken des Leiters und seiner Mitarbeiter ist es der Unterstützung der Eltern und einer aufgeschlossenen Öffentlichkeit zu verdanken, daß dieses Modell, das Tausenden von Kindern Hilfe und Hoffnungen verheißt, existieren kann und dabei ist, seine Tätigkeit weiter auszubauen, beispielsweise hinsichtlich der Hilfe auch für elternlose behinderte Kinder und der Vorbereitung adoptionswilliger Eltern.«

Aktionsgemeinschaft Westend Frankfurt (Stadtplanung)

Der Aktionsgemeinschaft Westend e. V. (Frankfurt am Main) »für ihr bemerkenswertes Beispiel einer demokratischen Bürgerinitiative. Der 1968 von Repräsentanten aller demokratischen Parteien und nicht parteigebundener Bürger gegründeten Aktionsgemeinschaft ist es durch zielstrebige und erfolgreiche Aktionen, durch sorgfältig vorbereitete Eingaben und Anträge und in mühseliger Kleinarbeit gelungen, auf die zahlreichen städtebaulichen, sozialen und gesellschaftlichen Probleme des Frankfurter Westends aufmerksam zu machen und Vorschläge zur Abhilfe von Mißständen und Fehlentwicklungen zu unterbreiten. Dabei ist es ihr auch gelungen, weite Bevölkerungsteile für das gemeinsame Ziel der Erhaltung der Lebensfähigkeit und des Lebenswertes ihres Stadtteiles zu engagieren und bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung sowie in den Fraktionen des Frankfurter Stadtparlamentes für ihre Initiativen Unterstützung zu finden. Neben den grundsätzlichen Zielen hat sich die Aktionsgemeinschaft unter anderem erfolgreich für die Einrichtung von Spielstraßen, für Maßnahmen gegen wilde Müllablagerung, für die Erhaltung von Alleebäumen, für Fragen des Denkmalschutzes und der Stadtbildpflege eingesetzt. Der Aktionsgemeinschaft geht es nicht um spektakuläre Demonstrationen, sondern allein um echtes, demokratisches Engagement in der Sache und um partnerschaftliche Zusammenarbeit.«

Der lange Weg vom Untertan zum mündigen Bürger

1973