Preisträger 2003

Andreas Schleicher

Der Theodor-Heuss-Preis für das Jahr 2003 wird dem Leiter der Abteilung für Bildungsindikatoren und Analysen der OECD Andreas Schleicher zuerkannt, weil es ihm als internationaler Koordinator der PISA-Studie gelungen ist, eine längst fällige, breite und anhaltende öffentliche Debatte über Bildung und Erziehung und notwendige Veränderungen anzustoßen. Mit seinem Eintreten für die Erkenntnis, dass die Ergebnisse der PISA-Studie eine langfristige Folge von Bildungsstrukturen, Bildungspolitik und Bildungspraxis sind, stellt er klar, dass die PISA-Studie lediglich als ein Instrument zu sehen ist, mit dessen Hilfe die bisherigen Versäumnisse in der Bildungspolitik aufgedeckt werden können. Andreas Schleicher weist daraufhin, dass Bildungsziele jetzt formuliert werden müssen, damit unsere Gesellschaft den Entwicklungen der Arbeitswelt, wie sie in den kommenden 20 Jahren zu erwarten sind, gerecht werden kann. Jahrzehntelange Verkrustungen und Defizite im deutschen Bildungssystem können nur durch langfristige Strategien korrigiert werden, und dies bedeutet insbesondere für Deutschland, dass tief greifende Reformen notwendig sind, um die durch PISA angemahnte ausgewogene Verteilung von Bildungschancen zu erreichen. Der Theodor-Heuss-Preis 2003 gilt einem engagierten Bildungsreformer, der durch seine Arbeit und seine öffentlichen Stellungnahmen deutlich macht, dass Politik und Gesellschaft den Bildungsauftrag als Chance be- und ergreifen müssen, wesentlich und nachhaltig Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Kultur zu nehmen. Dafür schulden wir ihm Dank und Anerkennung.

Französische Schule, Tübingen

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird der Französischen Schule in Tübingen zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Seit September 1994 ist die Französische Schule eine selbständige Grundschule. Das schulische Konzept basiert zu großen Teilen auf der Pädagogik von Célestin Freinet und umfasst insbesondere das Lernen in jahrgangsübergreifenden Klassen. Eines der Ziele war und ist, Kindern und Eltern im Stadtteil, neben der Vermittlung von Sozial- und Lernkompetenz, auch eine gute und zeitlich ausreichende Betreuung anzubieten. Die Schule bildet ein beachtliches Zentrum sowohl für praktische Berufsfortbildung für Praktikanten und Referendare als auch für integrierende Eltern- und Bürgerarbeit in einem kinderreichen, durch einen hohen Ausländeranteil und sozial benachteiligte Familien geprägten Stadtteil Tübingens. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement der Französischen Schule verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Friedrich-Schiller-Gymnasium, Pirna

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird dem Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Das Friedrich-Schiller-Gymnasium ist eine ehemalige Polytechnische Oberschule und bietet eine binationale-bilinguale Ausbildung mit deutsch-tschechischen Klassen an. Zum Gymnasium gehört ein Internat für tschechische und deutsche Schüler. Die Schule versteht sich mit ihrer gesamten pädagogischen Arbeit als eine »Brücke der Verständigung« zwischen Deutschland und Tschechien. Ziel ist die erfolgreiche Vermittlung von Lerninhalten und Lerntechniken, um die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und auf entsprechende Fragestellungen antworten können. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement des Friedrich-Schiller-Gymnasiums verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Heinrich-von-Stephan-Oberschule, Berlin

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird der Heinrich-von-Stephan-Oberschule in Berlin zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Die Heinrich-von-Stephan-Oberschule befindet sich in einem sozialen Brennpunkt in Berlin. Der Großteil der Schüler kommt aus sozial schwachen Verhältnissen, und der Anteil der ausländischen Schüler aus 17 verschiedenen Nationen beträgt rund 45 %. Fast alle Schüler haben große Lernprobleme, die teilweise durch problematische Lebensumstände mitversuchsacht werden. Die Schule selbst befand sich lange Zeit in einer sehr schwierigen Situation und sollte geschlossen werden. Auf Initiative des Lehrerkollegiums und mit Unterstützung aller Lehrer wurde sie freiwillig und teilweise unentgeltlich schrittweise saniert und reformiert und von den Schülern zwischenzeitlich als »ihr« Lern- und Lebensraum angenommen und mitgestaltet. Sie ist heute ein viel beachteter Schulversuch für eine integrierte Haupt- und Realschule. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement der Heinrich-von-Stephan-Oberschule verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Jenaplan-Schule, Jena

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird der Jenaplan-Schule in Jena zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Die Jenaplan-Schule ist als Bürgerinitiative in der Wendezeit gegründet worden und verwirklicht eine Reihe von Reformthemen und prinzipien, die zum Teil an ein international berühmtes Reformkonzept der Weimarerzeit, dem »JenaPlan« von Peter Petersen, anknüpfen, zum Teil aber weit darüber hinausgehen. Die Jenaplan-Schule ist eine »Lebens- und Arbeitsgemeinschaft«, die von allen Beteiligten gleichermaßen geprägt und getragen wird. Das Schulkonzept verbindet Impulse der klassischen Reformpädagogik mit einer Vielzahl moderner, aktivierender Lernformen in Zusammenarbeit mit behinderten Kindern und in ungewöhnlichen Formen intensiver Elternbeteiligung. Die Jahrgangsklassen werden für einen großen Teil des Tages durch übergreifende, drei Altersstufen zusammenfassende Arbeitseinheiten ersetzt, um auch soziales Lernen zu ermöglichen. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement der Jenaplan-Schule verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Martin-Luther-Schule, Herten

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird der Martin-Luther-Schule in Herten zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Die Martin-Luther-Schule ist eine Hauptschule, deren Schulkonzept solidarisches Lernen, interdisziplinären Unterricht, demokratisches Handeln und individuelle Förderung umfasst. Den Schülern sollen ökologisches Bewusstsein und berufsrelevante Fertigkeiten vermittelt werden. In einer strukturschwachen Gegend, in der vor allem der Niedergang des KohleBergbaus die Zukunftsperspektiven für Jugendliche drastisch verschlechterte, müssen die Möglichkeiten beim Übergang von Schule zum Beruf neu gedacht werden. Nicht zuletzt die intensive und unterstützende Zusammenarbeit des Kollegiums, der Eltern, der Sponsoren aus Wirtschaft und Industrie und vor allem der Schüler ermöglicht dies. Ziel ist die Steigerung der Vermittlungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt durch kontinuierliche Anbindung an einen Ausbildungsbetrieb. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement der Martin-Luther-Schule verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Max-Brauer-Schule, Hamburg

Eine Theodor-Heuss-Medaille für das Jahr 2003 wird der Max-Brauer-Schule in Hamburg zuerkannt, für ihren Geist der Erneuerung und des Aufbruchs und für den besonderen Einsatz von Lehrenden und Eltern, sich auf die Probleme und Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen heute einzulassen. Die Max-Brauer-Schule wird von über 1100 Schülerinnen und Schülern aus 35 verschiedenen Nationen besucht. 300 von ihnen sind ohne deutschen Pass. Diese Vielfalt prägt den spezifischen Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, der sich von der Vorschule bis zum Abitur – Kontinuität und Verbindlichkeit sichernd – in der Trias von sozialem Lernen, Methodenlernen und fachlichem Lernen ausdrückt. Daraus sind auch Motivation und Zielvorstellungen für ihr Modell einer »Profiloberstufe« hervorgegangen. Durch fächerübergreifendes Arbeiten in der Oberstufe soll es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, aus isoliertem Faktenwissen ein Netz flexibel nutzbarer Kenntnisse zu machen und sie dazu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Mit einer Theodor-Heuss-Medaille 2003 soll eine gute und innovative Schule ausgezeichnet werden, die stellvertretend für viele andere deutlich macht, dass das Messen und Vergleichen von Leistungen und Lernergebnissen zwar die Notwendigkeit von Schulreformen aufzeigen kann, dass die konkreten Antworten auf die Reformfragen aber aus der Schulpraxis kommen. Das beispielhafte Engagement der Max-Brauer-Schule verdient daher Anerkennung und Unterstützung.

Bildung und Erziehung: Bewährungsprobe für die Demokratie

2003