Preisträger 1965

Georg Picht

Bildungsreform

Georg Picht wurde mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet, weil es ihm durch seine zahlreichen Schriften gelungen ist, das öffentliche Interesse an Problemen des deutschen Schul- und Bildungswesens mit zuvor nicht erreichtem Widerhall zu wecken und zu schärfen. Es ist in hohem Maße sein Verdienst, die verantwortliche Öffentlichkeit von der Tragweite und Dringlichkeit bildungspolitischer Entscheidungen überzeugt zu haben.

 

Georg Picht war der erste, der aus einer Vielzahl von internationalen Vergleichen, statistischen Unterlagen und Bedarfsfeststellungen schöpferische Gedanken für die zukünftige Gestaltung des deutschen Bildungswesens entwickelt hat. In seinen Ideen und Vorstellungen vollzieht er den Übergang von traditionsgebundenen Formen hinüber zu den bildungspolitischen Erfordernissen einer modernen freiheitlichen Gesellschaft. Damit ist es ihm gelungen, einen Prozeß des Umdenkens einzuleiten und der Erkenntnis Bahn zu brechen, daß ein leistungsfähiges Schul- und Bildungswesen der vorausschauenden Planung bedarf.

 

Georg Picht hat es bewußt auf sich genommen, als unbequemer Mahner seinen Weg allein zu gehen, ohne Rückhalt von Parteien oder Verbänden. In der oft hitzigen Auseinandersetzung um seine Analysen und seine Thesen hat er sich als unbeirrbar mutiger und aufrechter Streiter erwiesen. Stets geht es ihm um die Sache niemals um seine Person.

 

Mit der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises an Georg Picht sollen – getreu dem Andenken an den ersten Bundespräsidenten – alle jene Menschen ermutigt werden, die in unserer auf Sicherheit bedachten Welt bereit sind, für eine als richtig und wichtig erkannte öffentliche Aufgabe rückhaltlos einzutreten.

 

 

Preisträger 1965

Aktion Sühnezeichen

Aussöhnung

Der Theodor-Heuss-Preis für 1965 wurde der AKTION SÜHNEZEICHEN verliehen in Würdigung des freiwilligen und opferreichen Dienstes, den junge Deutsche verschiedener Bekenntnisse und Berufe seit vielen Jahren leisten, um die Wunden, die von der Nationalsozialisten geschlagen wurden, durch versöhnliche Tat zu lindern. In bisher 23 Projekten hat die Aktion Sühnezeichen mehr als 500 junge Frauen und Männer ausgeschickt, um in den Ländern, deren Bevölkerung am härtesten unter Krieg und Terror gelitten hat, begangenes Unrecht wiedergutzumachen.

 

Auf Anregung des Magdeburger Präses Dr. Lothar Kreyssig begann die Aktion Sühnezeichen 1958 in Rußland und Israel aufbauende Arbeit zu leisten. Es folgten Holland, Norwegen, Griechenland, Frankreich, England, Belgien, Jugoslawien, die Vereinigten Staaten von Amerika und Finnland. Ihre Tätigkeit umfaßte so verschiedenartige Vorhaben wie den Bau eines Blindenheimes in Israel, den Sozialdienst in einem Schwarzenviertel in den USA, den Aufbau von Zisternen, Schulen, Kirchen und Synagogen.

 

Mit dem Theodor-Heuss-Preis wird – getreu dem Andenken an den ersten Bundespräsidenten – der selbstlose Dienst der unernannten und ungenannten Botschafter des guten Willens und der tätigen Nächstenliebe geehrt. Ihre künftige Arbeit soll damit bestärkt und gefördert werden.

Evangelische Volksschule Berchtesgaden

Die Berchtesgadener Schule unter Leitung ihres Hauptlehrers Herrn Bannasch pflegt zusammen mit der dänischen Mittelschule in Aarhus, seit vielen Jahren schon, besonders lebendige Formen der Begegnung zwischen jungen Menschen beider Nationen. Das preiswürdige daran ist, daß der Austausch nicht – wie sonst oft üblich – von oben geliefert, organisiert, finanziert und abgewickelt wird, sondern von unten her, von den Kindern und Lehrern gestaltet wird. Das ist ein oft mühevoller Weg, der allen etwas abverlangt, der keine Anstrengungen scheut und manches Opfer auf sich nimmt. Vielleicht wissen unsere Berchtesgadener Freunde gar nicht, daß Theodor Heuss in seiner schönen Rede »Heimat, Vaterland und Welt« etwas gesagt hat, was genau das trifft, worum sie sich bemühen. Er sagte: »Darum handelt es sich für uns in der Beziehung der Völker, in der Beziehung der Gruppen, in der Beziehung des einzelnen, daß bei der Begegnung junger Menschen das Ich nicht verlorengehe, daß es die köstlichste Aufgabe der einzelnen Seelen ist, die sich ihrer sozialen Verantwortung zum Bruder bewußt bleibt.«

 

Die Theodor-Heuss-Gedenkmünzen werden stellvertretend für viele andere ähnlich selbstlose Bemühungen vergeben. Sie gelten als Dank und Ermutigung für alle diejenigen, die freiwillig eine »Pflicht zum Guten« im weitgespannten Heuss’schen Sinne auf sich nehmen und durchhalten, auch für die Gruppen, die in diesem Jahr nicht oder noch nicht ausgezeichnet werden konnten.

Jugendrotkreuz Roding

Das Jugendrotkreuz in Roding unter Leitung des Oberlehrers Herrn Bayerl ist ein Jugendverband, der so recht nach dem Herzen und Geschmack von Theodor Heuss tätig ist. Was in dieser Jugendgruppe an kleinen und größeren Hilfsdiensten geleistet wird, all das ist wie es Theodor Heuss nannte – »ein Übungsfeld des Gemeinsinns«. Ob Ihr Jungen nun alten Menschen Freude bringt, ob Ihr Mitmenschen vor Gefahren schützen wollt oder ob Ihr Euer Taschengeld für Pakete in die Zone oder Katastrophengebiete vom Munde abspart – jeder Gemeinsinn muß sich zunächst einmal in kleineren Gemeinschaften bewähren und erproben, bevor er hinaus in die Weite und Breite zu wirken vermag.

Die Theodor-Heuss-Gedenkmünzen werden stellvertretend für viele andere ähnlich selbstlose Bemühungen vergeben. Sie gelten als Dank und Ermutigung für alle diejenigen, die freiwillig eine »Pflicht zum Guten« im weitgespannten Heuss’schen Sinne auf sich nehmen und durchhalten, auch für die Gruppen, die in diesem Jahr nicht oder noch nicht ausgezeichnet werden konnten.

 

 

Peter Löser-Gutjahr und Heinrich Sievers

Peter Löser-Gutjahr und Heinrich Sievers

Wir haben ihre jahrelange Tätigkeit in der Schülermitverwaltung, in ihren Klassengemeinschaften, in ihrer politischen Aktivität auf Herz und Nieren geprüft, weil diese Ämter gelegentlich doch auch in die Hände von jungen Wichtigtuern und Schönrednern geraten. Gerade Theodor Heuss hat ja in seiner Rede »Jugend und Staat« sehr, sehr eindringlich vor der »leeren Betriebsamkeit« in jugendlichen Gemeinschaften gewarnt. Aber beide jungen Menschen haben sich ihren Aufgaben verschrieben, ohne dabei den Versuchungen jedes Amtes zu erliegen. Mögen Sie sich beides bewahren: Ihre jugendliche Tatkraft zu Gunsten der Gemeinschaft und ihre gerechte und freiheitliche Gesinnung, dann wird die Verleihung der Theodor-Heuss-Gedenkmünze nicht den Abschluß einer jugendlichen »Schwärmerei« bedeuten, sondern der Auftakt und die Ermutigung sein zu neuen Aufgaben und wachsenden Verantwortungen.

 

Die Theodor-Heuss-Gedenkmünzen werden stellvertretend für viele andere ähnlich selbstlose Bemühungen vergeben. Sie gelten als Dank und Ermutigung für alle diejenigen, die freiwillig eine »Pflicht zum Guten« im weitgespannten Heuss’schen Sinne auf sich nehmen und durchhalten, auch für die Gruppen, die in diesem Jahr nicht oder noch nicht ausgezeichnet werden konnten.

Vom rechten Gebrauch der Freiheit

1965