Jürgen Habermas

„Ich hätte mir nicht träumen lassen, eines Tages von einer veritablen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes aus öffentlichem Anlass gelobt zu werden.“

Mit diesem ebenso selbstironischen wie feinsinnigen Satz eröffnete Jürgen Habermas seine Dankesrede zur Verleihung des Theodor Heuss Preises 1999. Der Satz galt der damaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, die die Laudatio auf ihn hielt – und Jürgen Habermas zeigte bereits in wenigen Worten, was ihn auszeichnete: seine intellektuelle Schärfe, seinen republikanischen Witz und eine tiefe Sensibilität für die Institutionen der demokratischen Ordnung.

 

Mit seinem Tod verliert die Bundesrepublik einen der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart und eine ihrer prägenden Stimmen im öffentlichen Diskurs. Kaum ein Denker hat das Verständnis demokratischer Öffentlichkeit so nachhaltig geprägt wie Habermas. Seine Arbeiten – von der Analyse des Strukturwandels der Öffentlichkeit bis zur Theorie des kommunikativen Handelns – haben Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern inspiriert und zugleich immer wieder in politische Debatten hineingewirkt.

 

Jürgen Habermas verstand Philosophie nie als Rückzug ins Akademische. Sein Denken zielte auf die Praxis der Demokratie: auf die Überzeugung, dass Legitimität aus öffentlicher Vernunft, aus Argument und Gegenargument entsteht – aus einem Gespräch freier Bürgerinnen und Bürger.

 

Mit dem Theodor Heuss Preis 1999 ehrte die Theodor Heuss Stiftung unter dem Jahresthema „Auf dem Weg zu einer demokratischen Bürgergesellschaft“ deshalb nicht nur einen herausragenden Philosophen, sondern einen engagierten Bürger der Republik, der den demokratischen Diskurs selbst als Aufgabe begriff.

 

Wir verneigen uns vor einem großen Denker und einem wachen Bürger unserer Republik. Er wird fehlen.