In memoriam
Wir trauern um unsere Theodor Heuss Preisträgerin 2007, Rita Süssmuth (1937-2026)
Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Dr. Rita Süssmuth war eine Frau, die sich mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit der Aufgabe verschrieben hatte, auch gegen Widerstände immer wieder für die Rechte der Bürger und Bürgerinnen, der Minderheiten und der von Ausgrenzung Betroffenen zu kämpfen, das friedliche Zusammenleben der Menschen in gegenseitigem Respekt zu fördern, einen gerechten Ausgleich der Interessen zu fordern und damit zur Zukunftsfähigkeit unserer demokratischen Kultur beizutragen.
Integration im weitesten Sinn war für Rita Süssmuth zum Lebensthema geworden. Über die Familien-, Frauen-, Gesundheits- und Bildungspolitik kam sie zur Zuwanderungspolitik und war auf diesem Gebiet sowohl in Deutschland als auch international eine anerkannte und geachtete Expertin. Ihre Lebenshaltung war durch Zivilcourage und Bürgerengagement geprägt.
Seit ihrer Ernennung zur Bundesministerin mit Zuständigkeit für Jugend, Familie, Gesundheit und später auch Frauen, als langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages, als CDU-Politikerin und Vizevorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des Familienbundes der Deutschen Katholiken, als Vorsitzende der Unabhängigen Kommission »Zuwanderung« und Vorsitzende des Sachverständigenrats für Zuwanderung und Integration, als Ehrenvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung, als Leiterin von Wahlbeobachtungen der OSZE und als Mitglied und Ehrenmitglied einer großen Anzahl von deutschen und internationalen Stiftungen, Fachgremien, Kommissionen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen engagierte sie sich unablässig für eine Vielzahl von politisch und gesellschaftlich sensiblen, umstrittenen und auch tabuisierten Themen, bei denen sie immer auf die Wahrnehmung der realen Lebensverhältnisse, auf die Anerkennung der legitimen Interessen von Menschen und gesellschaftlichen Gruppen und auf die Suche nach integrierenden Lösungsansätzen drängte. Dabei war sie offen für den Blick auf die Möglichkeiten, die jenseits der engen Grenzen eines fest gefügten Weltbildes liegen. Auch noch so heftige Widerstände, auf die sie auch in der eigenen Partei immer wieder stieß, und die manchmal zu Niederlagen in der Sache führten, konnten sie nicht entmutigen, ihren Weg weiter zu gehen.
„Wir mussten – davon bin ich überzeugt – die Chance nutzen, die uns Ihr Vorhaben dar bot, um über Kunst für Politik zu sensibilisieren. Ihr Kunstwerk war und ist eine Art Erinnerungsritual an die friedlichen Demonstrationen der Jahre 1989 und 1990“ formulierte Rita Süssmuth mit Blick auf die Verhüllung des Reichstags in ihrer Laudatio auf den Theodor Heuss Preisträger 2014, Christo. Rita Süssmuths außergewöhnliches, kämpferisches, auf einer aufgeklärten Haltung beruhendes Engagement angesichts der Herausforderungen, vor die eine offene und demokratische Gesellschaft nachhaltig gestellt wird, bleibt uns beispielgebend.
Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie.











