„In einer Linie mit der Preisträgerin von 1988“
In Erinnerung an Inge Jens (11.2.1927 – 23.12.2023) und zur Friedensinitiative Campo della pace
Als die Initiative Campo della Pace 2025 mit einer Theodor Heuss Medaille ausgezeichnet wurde, erinnerte sich einer der Initiatoren der deutsch-italienischen Friedencamps, Eberhard Frasch, an einen Moment, der vier Jahrzehnte zurückliegt – und der sein Engagement bis heute prägt.
1988 hatte er als Lehrer die Theodor Heuss Preisträgerin Inge Jens angeschrieben und sie eingeladen, mit einer Abiturklasse über das Kriegsende 1945 und den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu sprechen. Anlass für seine Anfrage war ihre Rede anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem Theodor Heuss Preis 1988, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter Jens erhalten hatte. Ihre Rede „Schuldbekenntnis und aufrechter Gang“ hatte ihn damals tief beeindruckt.
In ihrem handschriftlichen Brief vom 3.3.1988 antwortete Inge Jens persönlich auf seine Anfrage. Sie schrieb ihm, wie wichtig es ihr sei, keinen Vortrag zu halten, sondern mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Für Eberhard Frasch war diese Haltung mehr als eine freundliche Zusage: Sie war ein Zeichen dafür, wie ernst sie den Dialog nahm – und wie sehr ihr an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte gelegen war.
Rückblickend beschreibt Frasch diese Begegnung als einen wichtigen Wendepunkt. Die Worte von Inge Jens bestärkten ihn darin, Erinnerungsarbeit nicht als Belehrung zu verstehen, sondern als gemeinsamen Prozess des Nachdenkens, Fragens und Zuhörens. Dieser Gedanke begleitet ihn bis heute.
Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus entwickelte sich über viele Jahre sein Engagement für Verständigung, Verantwortung und Frieden. Als Mitinitiator des Campo della Pace versucht er gemeinsam mit vielen anderen Engagierten, genau jene Haltung praktisch umzusetzen: offen über Geschichte zu sprechen, unterschiedliche Perspektiven zuzulassen und Begegnungen zu ermöglichen.
In seinem zur Preisverleihung 2025 vorbereiteten Beitrag machte Frasch deutlich, dass er die Auszeichnung des Campo della Pace in einer direkten Linie zu der Ehrung von Inge Jens im Jahr 1988 sieht. Für ihn verbinden beide Auszeichnungen dieselben Werte:
· Mut zur Wahrheit,
· Verantwortung für die Vergangenheit und
· Vertrauen in die Kraft des Dialogs.
„Demokratie, Verantwortung für die NS-Vergangenheit, Dialog – hier sehen wir uns in einer Linie mit der Preisträgerin von 1988, daran arbeiten wir.“. Die Verbindung zwischen 1988 und 2025 ist für ihn keine abstrakte historische Parallele, sondern eine biografische Erfahrung.
Mit seiner persönlichen Erinnerung macht Eberhard Frasch deutlich, wie sehr demokratische Werte von Menschen leben, die sie weitertragen – von Generation zu Generation, von Gespräch zu Gespräch.







