Schliessen

2016 wurde kein Theodor Heuss Preis, jedoch 5, dem Preis ebenbürtige, Theodor Heuss Medaillen verliehen.

 

 

 

Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V.

Eine Theodor Heuss Medaille für das Jahr 2016 wird

Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V.

für sein beispielgebendes solidarisches und phantasievolles Engagement zuerkannt, mit künstlerischen Programmen in Flüchtlingslagern im Ausland und für Geflüchtete in Deutschland eine positive Stimmung zu schaffen und damit schlicht Freude zu verbreiten.

 

Clowns ohne Grenzen Deutschland e.V. bringt Lachen, Hoffnung und Freude zu Kindern und ihren Familien, die unter schwierigsten Bedingungen leben, und vermittelt das Gefühl von Lebenslust, Zuversicht, Freundschaft und Respekt. Der Verein wurde 2007 gegründet und verfügt über zwei angestellte und 43 ehrenamtliche Mitarbeiter, die in Flüchtlingslagern und Krisengebieten, die von Krieg, Naturkatastrophen und Armut betroffen sind, auftreten. Zielgruppen sind Flüchtlingskinder, Waisen, durch häusliche oder politische Gewalt traumatisierte Kinder, Jugendliche und deren Eltern. Die Auftritte erfolgen nicht nur einmalig vor Ort. Sie werden bei Folgereisen wiederholt und sind dadurch nachhaltig.

Ein Flüchtling, der die Clowns ohne Grenzen erlebt hat, brachte ihren Beitrag auf den Punkt: „Bevor ihr kamt, haben die Kinder Krieg gespielt – jetzt spielen sie Clowns“. Die Reisen der ehrenamtlichen Künstler führen in die Ukraine, in den Iran, nach Rumänien, Georgien, Kenia, Sri Lanka, Indien, Nepal, in die Türkei, nach Israel, Syrien und Jordanien. Seit 2014 besuchen Clowns ohne Grenzen auch deutsche Erstaufnahmelager, um vor Kindern zu spielen, „die aus der ganzen Welt nach Deutschland geflohen sind“.

Mit ihrem Engagement aus der Mitte der Zivilgesellschaft, ohne Worte, in der überall verständlichen Sprache der Musik, der Bewegung, des Spiels und des Humors stehen die Clowns ohne Grenzen für eine phantasievolle Willkommenskultur in Deutschland und für eine humanitäre Geste in Krisengebieten.

 

 

http://www.clownsohnegrenzen.org/

Grandhotel Cosmopolis e.V.

Eine Theodor Heuss Medaille für das Jahr 2016 wird dem

Grandhotel Cosmopolis e.V.

zuerkannt für sein beispielgebendes bürgerschaftliches Engagement, solidarisch und phantasievoll Akzente für ein friedliches Zusammenleben und kreative gesellschaftliche Entwicklungen zu setzen. Grandhotel Cosmopolis e.V. verknüpft die dringliche Aufgabe der Unterbringung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern mit kultureller Vielfalt und mit einem Angebot zur Teilhabe für alle.

 

2011 suchen drei Augsburger Kulturschaffende nach einem Gebäude zur Zwischennutzung und entdecken ein seit vier Jahren leer stehendes Pflegeheim im Stadtzentrum. Die Immobilie gehört der Diakonie, die eine Nutzung des Hauses als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerberinnen und Asylbewerber plant. Dieses Vorhaben wird zum jetzigen Grandhotel Cosmopolis. Die Grundidee des Projekts basiert auf der Vorstellung von einem klassischen „Grandhotel“ als stilvollem, sozio-kulturellem Ort der Begegnung zwischen internationalen Gästen und Einheimischen. Das Projekt ist eine einzigartige Mischung aus Hotel, internationalem Künstlertreff, Stadtteiltreffpunkt und Asylunterkunft.

Partizipation ist die Grundlage für die Hotelführung. Alle Hausbewohner und Gäste können sich unentgeltlich für die Dauer ihres Aufenthalts in den Kultur- und Hotelbetrieb mit Zeit, Motivation, Kreativität und nach ihren Möglichkeiten einbringen. Dies führt zu einer emotionalen Bindung und umfänglichen Identifikation mit dem Hotelbetrieb. Die Hoteliers haben einen Ort geschaffen, an dem rund 60 Gäste mit Asyl und Hotelgästen ohne Asyl, wie Touristen, Geschäftsreisende, Studierende und somit verschiedene Ideen, Hintergründe und Kulturen aufeinandertreffen. So können Besucher, Bewohner, Hoteliers und Gäste ins Gespräch kommen und einander annehmen. Neben den von Künstlern gestalteten Hotelzimmern gibt es ein Kulturzentrum mit Ateliers und einem Galerie-/Veranstaltungsraum, eine Café-Bar und einen Teegarten.

Mit ihrem Engagement aus der Mitte der Zivilgesellschaft, ihrer Solidarität und Phantasie leisten die Hoteliers des Grandhotel Cosmopolis einen wegweisenden, äußerst kreativen Beitrag zur Lösung der Wohnungsfrage für Geflüchtete und bringen zugleich Menschen unterschiedlicher Herkunft ins Gespräch miteinander.

 

http://grandhotel-cosmopolis.org/de/

Kiron Open Higher Education gGmbH

Eine Theodor Heuss Medaille für das Jahr 2016 wird der

Kiron Open Higher Education gUG

für ihr beispielgebendes solidarisches und bildungspolitisches Engagement zuerkannt, Geflüchteten auf unbürokratische Art und Weise einen gebührenfreien Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen und damit Perspektiven zu eröffnen.

Kiron wurde 2015 von Vincent Zimmer, Markus Kreßler und Christoph Staudt mit dem Ziel gegründet, Barrieren für Flüchtlinge auf dem Weg zu einer Hochschulausbildung abzubauen. Sie erkannten das Problem, dass Studierwillige ohne geklärten Aufenthaltsstatus, mit fehlenden Zeugnissen und Zertifikaten und meist unzureichenden Deutschkenntnissen keine Chance auf ein Hochschulstudium haben. Es drohte damit die Gefahr, Geflüchtete zur Perspektivlosigkeit zu verdammen und die Zeit der Flucht ohne sinnvolle Bildung verrinnen zu lassen.

Die Idee ist, mit Blended Learning ein zweijähriges Online-Studium in den momentan fünf Studien-Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen, Informatik, Interkulturelle Studien und Architektur mit englischsprachigen Kursangeboten und gezieltem Mentoring durchzuführen, im dritten Jahr ergänzt um regionale Konzepte des integrierten Lernens vor Ort. Die Online-Studieninhalte werden in Kooperationen mit etablierten Anbietern entwickelt. Zusätzlich werden Kursangebote der Universitäten Harvard, Stanford und Yale sowie des MIT zur Verfügung gestellt. Dieses neue Lernformat richtet sich an große Teilnehmerzahlen, ist kostenlos und hat keinerlei Zugangsvoraussetzungen. Im dritten Jahr wechseln die Studierenden an eine Partnerhochschule mit Präsenzkursen, um bei Studienerfolg mit dem Bachelor abzuschließen.

Das aus 50 Ehrenamtlichen bestehende Kernteam und das rund 200 Personen umfassende Unterstützerteam aus Social Entrepreneurs, Geflüchteten, Studierenden, Praktikern aus der Flüchtlingsarbeit, Wissenschaftlern und Partnern aus Wirtschaft und Politik, mit Regionalgruppen in Stockholm, London, Paris, Istanbul und Brüssel wird durch Partnerunternehmen, Förderprogramme sowie einen Beirat extern beraten. Darüber hinaus werden die Flüchtlinge studienbegleitend durch das Programm „Kiron emPower“ mit professioneller Hilfe psychosozial betreut, um die oft traumatischen Fluchterlebnisse aufzuarbeiten.

Die Kiron Open Higher Education gUG leistet einen – auch in seiner Professionalität – wegweisenden Beitrag zu einer humanitären Lösung der Bildungsfrage für Geflüchtete. Das demokratische Engagement für eine im besten Sinne liberale Bildungstradition kommt aus der Mitte der Zivilgesellschaft und ermöglicht solidarisch und mit Phantasie die Überwindung bürokratischer Hürden in der Bildungspolitik.

 

https://kiron.ngo/

Welcome United 03 des SV Babelsberg

Eine Theodor Heuss Medaille für das Jahr 2016 wird dem

SV Babelsberg 03 e.V.

mit der Fußballmannschaft Welcome United 03

für sein vorbildliches solidarisches und bürgerschaftliches Engagement zuerkannt, im Jahre 2014 die ausschließlich aus Flüchtlingen bestehende Fußballmannschaft Welcome United 03 mit allen Vereinsrechten und –pflichten in seine Vereinsstrukturen integriert zu haben.

 

Die Mannschaft Welcome United 03 wurde im Sommer 2015 vom zweitgrößten Fußballklub Brandenburgs für den regulären DFB-Spielbetrieb angemeldet und spielt in der Saison 2015/2016 in der 2. Kreisklasse C. Aktuell nehmen über 60 Geflüchtete fest am Training teil. Getragen wird das Engagement für die Flüchtlinge von allen Vereinsmitgliedern. Während die Infrastruktur für den Spielbetrieb durch den Verein bereitgestellt wird, übernehmen die Fans durch finanzielle Unterstützung, Beschaffung der Ausrüstung und nicht zuletzt als Trikotsponsoren Verantwortung für die neue Mannschaft. Beispielgebend unterstützt der Verein die Spieler von Welcome United 03 bei der Integration in ihr neues gesellschaftliches Umfeld und hilft ihnen bei Behördengängen, bei der Jobsuche oder auch bei persönlichen Fragen oder Problemen. Welcome United 03 war die erste derartige Mannschaft im deutschen Fußball. Ziel des Vereins ist die vollständige Integration von Geflüchteten in die übrigen Mannschaften als Normalität für das Vereinsleben.

Der SV Babelsberg 03 e.V. mit seiner Flüchtlingsmannschaft Welcome United 03 zeigt, wie der Sport Motor für ein Integrationsprogramm sein kann. Beeindruckend ist dabei auch, wie die klassischen Strukturen der Zivilgesellschaft – das Vereinsleben – aktiviert werden können, um einen kreativen und solidarischen Beitrag für eine neue Herausforderung zu leisten.

 

 

http://babelsberg03.de/mannschaften/welcome-united-03/

 

die "stillen Helfer"

Eine Theodor Heuss Medaille für das Jahr 2016 wird

„den stillen Helfern“

für ihr beispielgebendes solidarisches und humanitäres Engagement zuerkannt, Flüchtlinge mit der Kraft und aus der Mitte der Zivilgesellschaft heraus in einer demokratischen Bürgergesellschaft willkommen zu heißen und zu unterstützen.

Auf Bahnhöfen und in Grenzregionen werden ankommende Geflüchtete mit Tee, Wasser, Brot und dem Nötigsten versorgt. In Flüchtlingsunterkünften helfen Bürgerinnen und Bürger mit Zeit, Engagement und Sachmitteln. Das Besondere ihres Einsatzes liegt darin, dass sie aus der Mitte der Zivilgesellschaft heraus einfach die Aufgabe angenommen haben, die sich ihnen als verantwortlichen Bürgern stellte. Erst der spontane, beherzte Einsatz überwältigend vieler Menschen für Geflüchtete hat es möglich gemacht, die unendlichen vielen praktischen Probleme zu lösen.

Bei der Unterstützung der Flüchtlinge ist die demokratische Zivilgesellschaft aktiv wie selten zuvor in Deutschland. Unzählige „stille Helfer“ setzen mit ihren vielfältigen und unbürokratischen Aktionen ein Zeichen für die demokratische Kultur und eine bürgerrechtsorientierte Lösung von Problemen. Ihr Engagement, das häufig keine politische Parteinahme enthält, steht im Gegensatz zu gesellschaftlicher Passivität und reiner Systemkritik, aber auch zu naiven Erwartungshaltungen an die Politik. Die „stillen Helfer“ fangen damit Spaltungstendenzen in der Gesellschaft und Defizite der Institutionen auf. Sie haben deutlich gemacht: Ohne die Zivilgesellschaft kommen die vorhandenen Institutionen an ihre Grenzen.

 

 

Urkunde Theodor Heuss Medaille 2016 "den stillen Helfern" für alle stillen Helfer zum Download

Flucht nach Europa - Deutschland auf dem Weg: Solidarität und Phantasie aus der Mitte der Zivilgesellschaft

Die 51. Theodor Heuss Preisverleihung fand am Samstag, dem 30. April 2016, um 10.30 Uhr,
im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart statt.

 

Die Festrede hielt Dr. Dieter Zetsche, Vorstandvorsitzender der Daimler AG. Nach Grußworten des Vorsitzenden der Theodor Heuss Stiftung, Prof. Dr. Ludwig Theodor Heuss, der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Theresia Bauer MdL, und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn moderierte Cem Özdemir, Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, das Podiumsgespräch mit den Medaillenträgern. Das Schlusswort sprach die Vorsitzende des Kuratoriums, Prof. Dr. Gesine Schwan.

Begrüßung Ludwig Theodor Heuss

Grußwort Ministerin Theresia Bauer

Grußwort Oberbürgermeister Fritz Kuhn

Festrede Dieter Zetsche

Verleihung der Theodor Heuss Medaillen

Podiumsgespräch mit den Theodor Heuss Medaillenträgern moderiert von Cem Özdemir

Schlusswort Gesine Schwan

Audiomitschnitt 51. Theodor Heuss Preisverleihung