Daniel Cohn-Bendit
Visionen und Engagement für eine Demokratie im Wandel

Das Leben von Daniel Cohn-Bendit und die Entwicklung
der Demokratie in Deutschland sind von Beginn an
verwoben. Es gab im Zuge von 1968 provokativ-kontroverse,
ja wilde Zeiten auf der Suche nach Idealen, gefolgt
von der selbstkritischen Einsicht, erkennbar Verantwortung
übernehmen zu müssen, in Frankreich,
Deutschland und in der Europäischen Gemeinschaft. Für
beide Aspekte - Provokation und realitätstüchtige Selbstkritik
- steht Daniel Cohn-Bendit.

Als Politiker und Publizist zog er Folgerungen aus seinen Einsichten, ging auf politische Veränderungen ein, suchte Lösungen und neue Ideen. Mit großem Engagement beschritt er neue Wege in der Demokratie, um Fehlentwicklungen und neuen
Herausforderungen gerecht zu werden.

Daniel Cohn-Bendit wurde am 4. April 1945 als Kind
jüdischer Eltern in Montauban in Frankreich geboren.
Dorthin waren seine Eltern vor den Nationalsozialisten
geflohen. Seine Schulzeit verbrachte er in Deutschland.
Hier legte er sein Abitur ab. Anschließend studierte er
an der Pariser Vorort-Universität Nanterre Soziologie.
Sein politisches Interesse und Engagement machten ihn
zum Sprecher der Pariser Mai-Revolution. Dabei hielt er
Kontakt zur deutschen Studentenbewegung. Die französische
Regierung verwies ihn wegen der Unruhen 1968
des Landes. Zurück in Deutschland engagierte sich Daniel
Cohn-Bendit zusammen mit Joschka Fischer in der
Frankfurter Sponti-Szene. Unter anderem war er Herausgeber
des Magazins »Pflasterstrand«.

1978 setzte sich Daniel Cohn-Bendit maßgeblich für
einen neuen Weg ein: er bekannte sich zum parlamentarischen
System und unterstützte die Partei der Grünen.
Als Frankreich sein Aufenthaltsverbot aufhob, entschied
er sich, in Deutschland zu bleiben und trat 1984 in die
Partei der Grünen ein. Grüne Politik sollte Wirklichkeit
werden. Als »Realo«-Grüner sprach er sich entschieden
gegen einen ökosozialistischen Fundamentalismus aus
und stand dem hessischen Umweltminister Joschka Fischer
zur Seite.

1989 stellte sich Daniel Cohn-Bendit als ehrenamtlicher
Dezernent für das für ihn neu geschaffene »Amt für
multikulturelle Angelegenheiten« in Frankfurt am Main
einer neuen Herausforderung. Dabei machte er sich für
ein klares Einwanderungsrecht und großzügige Regelungen
für die Staatsbürgerschaft stark.

Obwohl selbst Repräsentant der Friedensbewegung,
hielt Daniel Cohn-Bendit einen Einsatz der Bundeswehr
zum Schutz der bosnischen Muslime für unerlässlich.
1994 schaffte er mit den Grünen den Einzug ins Europaparlament.

1999 war er für die französischen Grünen,
2004 für die deutschen Grünen und 2009 wieder
für Frankreich im Parlament vertreten. So wundert es
nicht, dass er zum Spitzenkandidat der 2004 gegründeten
Europäischen Grünen Partei ernannt wurde, seit
2002 Ko-Vorsitzender der Fraktion der Grünen/Freie Europäische
Allianz im Europäischen Parlament ist und
mehreren Ausschüssen angehört. Er wirkt mit bei der
Erstarkung des Europaparlaments. In Folge seiner Erfahrungen
in Deutschland, Frankreich und in den europäischen
Institutionen praktiziert er vorbildlich die gegenseitige
Verständigung und die für den Zusammenhalt
Europas essentielle Haltung sich jeweils an die Stelle
der anderen zu setzen. Auch wenn Daniel Cohn-Bendit
bei der Europawahl 2014 nicht mehr antreten will,
scheint doch eines sicher: Seine Begeisterung und sein
politischer Einsatz für Europa bleiben erhalten.

Ob bei der Abkehr vom Kommunismus, der Entscheidung
für den Parlamentarismus in einer Koalition, für militärische
Hilfe in Bosnien oder beim Aufbau einer konföderalistischen
EU - Daniel Cohn-Bendit handelte stets
mit existenziellem Engagement. Ohne sich selbst untreu
zu werden, war und ist er stets bereit, auf Veränderungen
zu reagieren und neue Wege in der Demokratie zu
gehen.